Die Tasche – 2

Ich lege wahnsinnig gerne auf. Am liebsten (Deep-)House. Leider habe ich nur wenige Auftritte. Aber wenn sich mal ein Anlass finden lässt, packe ich leidenschaftlich den Platten-Koffer ein. Manchmal macht mir das noch mehr Spaß als das eigentliche Auflegen. Die Plattenkoffer lassen nur eine begrenzte Anzahl von Platten zu. Heißt; man muss sich gut überlegen was man mitnimmt.

Man stellt sich deshalb Fragen wie zum Beispiel; Wird das eher ein ruhiger Abend oder wird es im Rave enden? Gibt es Liebhaber für die man eher nerdiges Zeug spielt oder wollen die Leute einfach nur vergessen (igitt!)?. Und so ist man, während man weiter einpackt, schon voll im Abend drin. Wenn der Koffer dann eingepackt ist (gerade tight genug, damit man noch mit den Fingern dazwischen fummeln kann), rollt man zum Club. Die traditionellen Plattenkoffer sind super. Die Rollen überall durch, schützen die Platten vor fallenden Getränken und können auch mal umkippen.

Letzens habe ich mir jedoch einen Plattenkoffer zugelegt, der so gar nicht praktisch ist. Er lässt vielleicht dreißig Platten zu (das wären an die zwei Stunden Spielzeit. Drei, wenn man die B-Seiten schieben würde.), schützt überhaupt nicht vor externem Wirken und lässt sich nur mit einem Griff durch die Gegend tragen. Trotzdem fand ich den Koffer auf Anhieb spitze.

Gefunden habe ich ihn in Uden, das ist ein Kaff im Süden Hollands. Und zwar in einer Lagerhalle wo es nur gebrauchte Waren gibt. Richtiger Schrott. Kein Vintage, sondern nur alte Klamotten. Keine Retro-Klassiker, sondern einfach nur Sperrmüll. Im Dachboden gibt es jedoch tausende von Platten. Größtenteils auch Schrott (hab aber noch zwei alte Force Inc-Platten entdecken können. Im hinteren Teil des Dachbodens standen lauter kleine Koffer. Darunter auch ein schwarzes Exemplar. Ein grandioses Lack-/Lederimitat mit Reptilschuppenprint. Sehr düster, aber auch elegant. Goth-Chic. Eine Tasche die sehr gut zur Musik von John Roberts passen würde. Ein schwarzer Diamant der sich galant wie ein Audi 80 (schwarz, mit Chrom) um sein Inhalt kümmert.

Aber wie gesagt, der Koffer hält nur wenig aus. Darüber hinaus habe ich Angst, dass der Griff abreist wenn der Koffer zu voll wäre. Aber auch das kann sich positiv auf einen Auflegeabend auswirken. Leise fantasiere ich schon über die erste Gelegenheit. Eine dunkle Bar, ganz klein. Mit Leuten die nur eine feine Selektion hören möchte. Die ihre Getränke nicht verschütten werden und meinen schwarzen, fragilen Diamanten mit einem leichten Augenzwinker das O.K. geben.

p.s. Die obere Platte vor dem Koffer ist von Anton Zap und heißt ‘I get no Kick from Champagne’. Eine gewagte Aussage. Die Platte ist super und sanft. Vor allem der Titeltrack ist großartig.

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