Ich hab den Namen Jil Sander zum ersten Mal auf einem Parfüm-Flakon gesehen, im Badezimmer meiner Eltern. Direkt daneben stand ein Herrenduft von Lagerfeld (Photo). Wenig später bekam ich ein Aftershave von Paco Rabanne. Das muss so Mitte der Neunziger gewesen sein. Ich hab mich damals noch nicht rasiert und konnte mit dem Fläschlein Paco Rabanne nicht wirklich viel anfangen. (Ich fand das Moschus-Deo von Axe glaub ich ganz gut.) Jil Sander und Karl Lagerfeld hab ich dann erst mal als Parfümproduzenten eingeordnet. Später wurde mir klar das Lagerfeld auch eine Society-Figur war/ist, auch wenn ich das in der Zeit so wohl nicht gesagt hätte. Noch später war Karl Lagerfeld für mich nicht mehr Parfümhersteller sondern Modeschöpfer. Aber Jil Sander blieb mir lange unbekannt.

Meine Schwester trug über Jahre den Duft Sun von Jil Sander, deshalb blieb Jil Sander für mich auch lange Zeit nur Duftherstellerin. Als ich dann erfuhr, dass sie auch Mode entwirft hab ich sie in die Gruppe Daniel Hechter, Bogner und Joop eingeordnet. Klamotten für Erwachsene und irgendwie mega deutsch. Mir war schnell klar, dass meine Eltern das nie tragen würden. Unser Nachbar vielleicht, er war Offizier, oder wenigstens seine Frau. Oder der Intendant aus Walser ‘Ehen in Philippsburg’. So richtig beschreiben konnte ich es halt nie, bis zu dem Moment als ich das ‘brand eins’-Heft aus dem vergangenen Juli aufschlug. Auf Seite sieben stand ein Foto, es zeigt den Parfüm-Vertreiber (?) Herbert Frommen, den Designer Peter Schmidt, den mir unbekannten Rochus Classen und Jil Sander.
Auf dem aus einem Privatbestand im Jahre 1981 entnommenen Bild tragen Jil und die Herren allesamt Anzug. Frommen spielt irgendwo mit, Schmidt schaut ihm dabei zu. Jil trägt über ihrem grauen Glanz-Sakko einen großen Schal. Unter dem Sakko trägt sie ein langärmliches, weißes Shirt (Super!) Wir sehen Geschäftsleute mit einer kreativen Sinnproduktion in geselliger Runde, aber es sind eigentlich und vor allem Geschäftsleute. Sie sitzen bei Frommen zuhause. Alle sind entspannt. Auf dem Tisch stehen Sektgläser, Kosmetikprodukte und ein Holzkästchen (Zigarillos oder Zigarren). Es ist wahrscheinlich eine Art Sektempfang mit den wichtigen Playern aus der Branche, oder so. Es sieht aber eher so aus, als hätten diese Menschen kein Bock mehr auf Clubs, Bars und Restaurants. Man bleibt lieber zu Hause oder bei jemanden anderen Zuhause. Der zu dem Foto dazugehörige Artikel trägt den Titel ‘Vergesst Netzwerke. Und Partys’ . Das passt.